So nascht sich Mallorca durch das Jahr

Die Mallorquiner lieben ihre traditionellen Gerichte. Und dabei schlemmen sie nicht nur herzhaft und deftig, sondern auch zuckersüß. Viele dolçes, also Süßwaren, kommen das ganze Jahr über auf den Tisch, andere Köstlichkeiten wiederum genießt man auf Mallorca nur zu bestimmten Festen oder Jahreszeiten. Wir schlemmen uns einmal durch das ganze Jahr.

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Die Mallorquiner naschen so gerne ihre dulces. (Foto: Nele Bendgens).

Unsere süße Schlemmertour durch das mallorquinische Jahr starten wir im Frühjahr. Insbesondere zu Ostern kredenzen sich die Mallorquinuer reichlich Süßes, das auf die Festtafel kommt.

Crespells

Die Crespells werden traditionell zu Ostern gegessen. Sie sind Kekse vom Blech in Form von Blumen, Herzen, Fischen oder Sternen. Mallorquinische Crespells werden aus Mehl, Schmalz, Eigelb, Olivenöl, Zucker, Zietronenabrieb und Wasser hergestellt. Die Zutaten können je nach Rezept variieren. So kann ebenfalls Orangensaft enthalten sein. Die Zutaten müssen nur vermengt, ausgerollt und ausgestochen werden. Gebacken werden die Crespells rund 20 Minuten. Zum Schluss werden sie mit Puderzucker bestreut. Heute findet man sie ganzjährig in Bäckereien, Cafes, Lebensmittelgeschäften oder auf den Märkten Mallorcas.

Cabell d’àngel

Cabell d’angel, zu deutsch: Engelshaar, ist eine Kürbismarmelade. Das gelbe Fruchtfleisch des Kürbis enthält viele kleine Fasern, die später in der Marmelade durch den Zucker goldgelb schimmern. Daher rührt auch der Name. Die Marmelade wird für viele traditionelle Süßigkeiten der mallorquinischen Küche verwendet. Ob als Füllung bei der bekannten Ensaimada oder in Empanadas. Aber auch auf frisch getostetem, einfachem Weißbrot schmeckt die süße Marmelade besonders gut.

Panades dolces des Xot i cabell d’àngel

Empanadas sind ein typisches Gebäck zu Ostern. Es gibt die verschiedensten Varianten mit Fleisch, Fisch, Gemüse – und auch eine süße Variante. Diese wird meist mit Lamm und Cabell d’àngel, der süßen Kürbismarmelde, gefüllt.

Senyorets

Die senyorets sind ebenfalls crespells, die sich jedoch von der Form und Dicke unterscheiden. In Manacor und anderen Orten im Osten der Insel werden die Kekse in Form von Menschen hergestellt. Daher der Name senyorets (Herren). Sie sind etwas dünner als die traditionellen Crespells.

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In den Bäckereien der Imsel entstehen die süßen Köstlichkeiten von Mallorca. (Foto: Torello).

Robiols

Robiols sind ebenfalls ein typisches, traditionelles Ostergebäck der süßen, mallorquinischen Küche. Sie haben die Form eines Halbmondes und sind mit Marmelade, Hüttenkäse, Engelshaar, Schokolade oder Sahne gefüllt.

Monas de pascua

Neben Robiols, Crespells und Empanadas bieten die Konditoreien und Bäckereien der Insel zu Ostern auch die sogenannten monas de pascua an. Es gibt sie als Kuchenbrot mit gekochten Eiern, aber auch als fantasievolle Schokoladen-Skulpturen. Mitte des vergangenen Jahrhunderts kam dieser Brauch von Katalonien auf die Balearen. Es handelte sich damals um ein österliches Kuchen-Präsent der Paten an ihre Patenkinder. Traditionell bestand das Geschenk aus einem Biskuitteig, mit einem gekochten Ei verziert, und wurde in Form eines Lammes, eines Huhns oder eines Schiffes geformt. Heute lassen viele Konditoren den Brotteig und das Ei weg und verkaufen kunstvoll verzierte Skulpturen aus reiner Schokolade.

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Lorenzo Pou Sanmarti von der Bäckerei Forn Nou in Sa Vileta mit seinen fantasievollen monas-Figuren. (Foto: Nele Bendgens).

Auch, wenn sich die Sommer auf Mallorca mitunter sehr heiß präsentieren – die Lust auf süße Leckereien vergeht den Mallorquinern selbst bei 40 Grad nicht. Das sind die Highlights, die unter anderem im Sommer genossen werden, aber teilweise auch das ganze Jahr über:

Coca d’albercoc / Coca mallorquina de albaricoque

Bei der coca d’albercoc handelt es sich um einen typischen, mallorquinischen Kuchen. Er besteht aus Mehl, Zucker, Schmalz, Eiern, Zitronenabrieb und Hefe, der mit frischen Aprikosen belegt wird. Zum Schluss wird er mit Zimt und Zucker bestreut.

Coca de cuart – Bizcocho de cuarto

Dieser Biskuitkuchen besticht durch seine Einfachheit der Zutaten. Eier, Zucker und Kartoffelstärke sind die einzigen Zutaten. Die Kartoffelstärke wird heutzutage oft durch Maismehl ersetzt. Zum Schluss wird er nur noch mit Puderzucker bestreut.

Quartos embetumats

Die Basis des Kuchens ist die Basis des typischen mallorquinischen Biskuitkuchens – der coca de cuart. Hier wird jedoch der Kuchen mit Vanillecreme oder Konfekt gefüllt und mit einer Schicht Baiser bedeckt. So kommt auch der Name “embetumats” zustande, was so viel wie beschmiert bedeutet. Dieses Gebäck wird insbesondere in der Hauptstadt der Insel Palma zubereitet.

Cardenal de Lloseta

Lloseta, ein Dorf in der Sierra de Tramuntana, beheimatet ein weiteres, typisches Dessert Mallorcas: Cardenal de Lloseta. Es besteht aus zwei etwa 30 Zentimeter langen Biskuit-Platten, die mit Sahne und Baiser gefüllt sind. Das Rezept wurde wohl vor mehr als 60 Jahren von Gabriel Pou von der Bäckerei Forn de Baix entwickelt. Forn de Baix ist ein kleines Familienunternehmen, das 1900 gegründet und heute von Gabriel Pous Kindern weitergeführt wird.

Im Herbst darf es auch bei den Süßigkeiten etwas schwerer werden. Einige davon sind natürlich auch das ganze Jahr über erhältlich:

Bunyols

Bunyols (spanisch Buñuelo) werden traditionell anlässlich des „Día de las Vírgenes“, oder „Les Verges“ zu Ehren der heiligen Ursula und den 11.000 Jungfrauen am 21.Oktober gebraten. Der typische Bunyol wird aus Kartoffel-Hefeteig hergestellt, in Fett ausgebacken und zum Schluss mit Zucker bestreut. Einst war es Tradition, dass junge Männer am Abend vor dem Tag der Heiligen vor den Häusern ihrer Angebeteten auf der Straße Gitarre spielten oder sangen. Die Männer wurden dann ins Haus eingeladen und bekamen ein Glas Wein und einen Bunyol. Heute ist das süße Gebäck besonders bei Kindern beliebt. Bereits die Morisken, die zum Christentum konvertierten Mauren in Spanien, sollen im 16. Jahrhundert Bunyols zubereitet haben. Sie verkauften das frittierte Gebäck als fliegende Händler. Die Bunyols wurden damals mit Honig gesüßt.

Panellets

Panellets ist ein traditionelles, süßes Gebäck aus dem achzehnten Jahrundert und ist vor allem in Katalonien und auf den Balearen bekannt. Gegessen werden sie zum Fest der Allerheiligen, am 1. November. Das Gebäck besteht aus Süßkartoffeln, Zucker, rohen gemahlenen Mandeln, Eiern und Zitronenschale. Sie werden mit Eiweiß bestrichen und mit Pinienkernen verziert. Heute gibt es verschiedene Varianten mit Schokolade, Orange oder auch Pistazien. Der Ursprung der Panellets ist vermutlich arabisch.

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Genuss zu Allerheiligen: Panellets (in der Mitte). (Foto: DM).

Die Panellets sind übrigens von der Europäischen Union als ETG (Traditional Specialty Guarantee) zertifiziert. Spanienweit gehören nur vier Produkte dazu: Neben den Panellets ist dies noch Serrano-Schinken, zertifizierte Bauernmilch und der Ölkuchen Castilleja de la Cuesta.

Besonders ausgiebig wird natürlich – wie auch überall sonst –im Winter und zu Weihnachten auf Mallorca genascht:

Torró -Turrón

Turrones gehören zum spanischen Weihnachten wie der Tannenbaum zum deutschen. Auch auf Mallorca gibt es Produzenten und Familien, die diese Spezialität auf ihre ganz eigene Art herstellen. So gibt es die „coca de torró (Kuchen mit Oblaten) oder beispielsweise den „torró fluix“. Zitrone, Zucker, Zimt und Mandeln sind die Bestandteile des torrós. Der Unterschied zum spanischen turrón ist, dass auf Mallorca auf die Zugaben wie Honig, Schokolade, Krokant oder Ei traditionell verzichtet wird. Es wird vermutet, dass es zu wenig Honig gab, Schokolade zu teuer war und Eier zum Kochen oder Backen verwendet wurden. Mittlerweile wird aber auch auf Mallorca experimentiert und es gibt ausgefallene Sorten, wie Turrón mit Sobrassada, belgischer Schokolade oder mit Orangenmarmelade.

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Drei Inselspezialitäten: „coca“ (ganz oben) sowie weicher Turrón in Papier und im Holzkästchen verpackt.. (Foto: Nele Bendgens).

Neules

Der Name „neules“ hat eine Doppelbedeutung – zum einen handelt es sich dabei um das mallorquinische Wort für Schneeflocke, zum anderen werden Backoblaten ebenfalls neules genannt. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Weihnachtsgebäck aus einem gerollten Teig, bestehend aus: Mehl, Eiweiß, Zucker, Salz und Schmalz.

Polvorones

Auch auf Mallorca gibt es zu Weihnachten dieses sehr krümelige Schmalzgebäck, das vor dem Verzehr zunächst geknetet werden muss. Polvorones sind in ihrer Urform seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar, die genaue Herkunft ist jedoch ungeklärt. Heute werden die industriellen Polvorones hauptsächlich in Andalusien produziert. Aber auch auf den Märkten Mallorcas findet man dieses typische Weihnachtsgebäck hausgemacht.

Mantegaden – Mantecados

Dieses traditionelle Gebäck besteht aus Zutaten wie Schmalz, Zucker und  Mehl. Je nach Bäckerei und Rezeptur wird es auch mit Butter hergestellt. Verfeinert wird es zudem mit Zimt, Schokolade, Mandeln oder Haselnüssen. Der Unterschied zu Polvorónes ist, dass der Hauptbestandteil nicht aus Mandeln besteht und Mantecados nicht mit Puderzucker oder ähnlichem bedeckt sind. Auch in der Form unterscheiden sie sich. Mantecados sind eher rund, während Polvorones eher eine längliche bis ovale Form haben.

Coca de patata

Nahezu jede Bäckerei und jedes Cafe auf Mallorca hat dieses Brötchen – in Valldemossa jedoch ist es schon eine Institution. Die coca de patata ähnelt optisch ein wenig dem deutschen Berliner, schmeckt jedoch anders. Das süße Brötchen besteht unter anderem aus Kartoffeln, Hefe, Schmalz, Zucker und ist mit Puderzucker bestreut. Besonders beliebt ist es, das Gebäck zur Winterzeit in eine Tasse heiße Schokolade zu tauchen.

Zu den Festtagen im Dezember und Januar findet man sie in den hiesigen Bäckereien auch als Coca de anís. Bei dieser Sorte wird das Brötchen größer gebacken und mit Anis verfeinert.

Taza de chocolate

Zugegeben: Hierbei handelt es sich nicht direkt um ein Dessert. Aber die heiße Schokolade ist nicht zu vergleichen mit der deutschen Variante oder mit einem normalen Kakao. Die mit Stärke angerührte Schokolade ist so dickflüssig und schokoladig, dass sie gelöffelt werden kann. Deshalb wird sie auch oft in Kombination mit der coca de patata oder klassisch mit einer ensaimada gegessen.

Cremadillos mallorquines

Die cremadillos mallorquines sind eine Form der Empanada, eine Art Blätterteig mit Cremes gefüllt wie z.B. Vanillecreme, Apfelkompott, Engelhaar oder Schokolade.

Corbatines de cabello de ángel

Bei dieser mallorquinischen Süßware handelt es sich um ein Gebäck, das aus dem gleichen Teig der Ensaimada hergestellt wird, in Kombination mit Engelshaar. Es sieht aus wie eine Art Zopf und wird mit Puderzucker bestreut.

Einige Süßspeisen von der Insel haben freilich das ganze Jahr Saison. Dazu zählt auch jenes Gebäck, das wie kaum eine andere kulinarische Spezialität so sehr für Mallorca steht: die Ensaïmada.

Ensaïmada

Wussten Sie, dass die mallorquinische Ensaimada in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Barcelona so begehrt war, dass es Wasserflugzeuge gab, die die Schmalzschnecken frühmorgens in Palma einluden und wenige Stunden später bereits in der katalanischen Metropole an die Großstädter verkauften? Auch auf Mallorca war und ist die Ensaimada einfach nur beliebt – auch, wenn sie vielleicht gar nicht so ur-mallorquinisch ist. Denn die charakteristische Schnecken-Form für Gebäck gab es schon bei den Griechen und den Ägyptern in der Antike. Das Mallorquinische an der Schnecke ist der Schweineschmalz, der Saïm, in dem sie gebacken wird.

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Die Ensaïmada ist der Klassiker unter den typischen süßen Spezialitäten von Mallorca. (Foto: DM).

Um die ursprüngliche Rezeptur zu schützen, haben sich mehrere Bäckereien auf der Insel zusammengetan und die geschützte Herkunftsbezeichnung „Ensaïmada de Mallorca“ ins Leben gerufen. Nur wer seine Ensaimada nach dieser Rezeptur herstellt, backt eine authentische Schnecke. Der Mehlanteil muss zwischen 45 und 55 Prozent liegen, der Wasseranteil zwischen 18 und 20 Prozent, der Zuckeranteil zwischen 16 und 20 Prozent, der Eieranteil zwischen sechs und zehn Prozent und der Sauerteiganteil zwischen vier und sechs Prozent.

Gató d’ametlla (gató de almendra)

Der Mandelkuchen ist wirklich legendär und gehört fest zu Mallorca. Hergestellt wird er aus Mandeln, Zucker, Eiern und geriebener Zitronenschale. Er wird mit Puderzucker bestäubt und in der Regel mit Eiscreme – am liebsten natürlich Mandeleis von der Insel – serviert.

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Legendär auf Mallorca: Mandelkuchen mit Mandeleis. (Foto: DM).

Seinen Namen hat der Gató de almendra übrigens aus der französischen Küche des 17. Jahrhunderts: Gâteau bedeutet auf französisch Kuchen. Seinen ganz besonderen Geschmack hat der Kuchen von seiner wichtigsten Zutat, der Almendra de Mallorca (Mandel von Mallorca). Sie zeichnet sich durch einen besonders hohen Fettgehalt und ein üppiges Aroma aus. Der Geschmack ist besonders süß – und deshalb ist diese Mandel für die Zubereitung von leckeren Süßspeisen besonders geeignet. Im Sommer wird der Kuchen gerne mit einer Kugel selbstgemachtem Mandeleis genossen – und begeistert mit einem Feuerwerk der Sinne nicht nur die Mallorquiner.

Weitere Informationen unter www.infomallorca.net

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